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No Matter how much you like it, it´s work! - Michael Haupt

Publikationsbeitrag Ausstellungskatalog NOT , 2018

No Matter how much you like it, it´s work!, Rauminstallation, 2018

Michael Haupt greift in seiner Arbeit die Ästhetik des spröden Baucontainers, der gleichzeitig als Ausstellungsraum dient, auf und lässt diesen zum Bestandteil seiner Arbeit werden, um ein Szenario zu inszenieren, das schon seit Jahrzehnten an unzähligen Baustellen zu finden ist. Der karge Raum wirft einige Fragen auf. Wie zum Beispiel, was es wohl heißt,in solch einem Raum seinen Arbeitsalltag zu bestreiten, und was dies im Einzelnen für den Menschen bedeutet, der sich, wie Franco Berardi [1] es treffend beobachtete, heute zunehmend durch seinen Beruf und sein Arbeitsleben definiert. Das zeitgenössische Konzept von Arbeit hat eine Inversion der marxistischen Theorie hervorgebracht. Heute ist Arbeit oftmals Teil eines triebhaften Engagements und produziert so physische und psychische

Krankheiten wie Depressionen, statt der erhofften Selbstverwirklichung und Freude [2] - sie führt zur Entfremdung des Selbst.

Einsamkeit als Volkskrankheit und Begleiterscheinung des Berufslebens, die vor keiner Altersgruppe oder Berufssparte haltmacht. No matter how much you like it, it´s work! bietet den Besucher_innen aber keineswegs eine Pause von diesem Umstand, sondern fordert dazu auf, auch hier aktiv zu werden. Diese Aufforderung kann im Zusammenhang mit der entgrenzten Arbeitszeit und der ständigen Erreichbarkeit verstanden werden, sie soll zum Reflektieren anregen und kann durchaus ironisch verstanden werden. Auch wenn in diesem Diskurs selbst das Besuchen der Ausstellung als Teil der Arbeit zu sehen ist, können Besucher_innen zwischendurch auch auf eine andere Weise produktiv sein und schnell ihre E-Mails checken oder sich Gedanken über andere Projekte und Vorhaben machen. Die dadurch betonte Tatsache verdeutlicht, dass Arbeit unseren gesamten Alltag durchzieht, gleich ob Lohnoder Hausarbeit, selten schafft es der moderne Mensch sich aus diesem Schema zu befreien. Die künstlerische Raumintervention wird zudem durch verschiedene Hinweise auf die unterschiedlichen Arbeitsrollen von Michael Haupt komplettiert. Fotografien, die Haupts eigentliche künstlerische Ausdrucksform sind, abstrahieren diese Tätigkeiten und weben sich unauffällig in die Raumgestaltung ein.

[1] Berardi, Franco (2007) The Soul at Work, Los Angeles: Semiotext(e).

[2] Berardi, Franco (2007) The Soul at Work, Los Angeles: Semiotext(e), S. 19.

© Bettina Siegele 2020

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